Each-Way-Wette bei Pferderennen: Doppelt abgesichert wetten

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Was ist eine Each-Way-Wette und wie teilt sich der Einsatz auf?
Mein britischer Kollege Tom brachte mir die Each-Way-Wette bei einem Renntag in Ascot näher. „Du Deutschen mit euren Sieg- und Platzwetten“, sagte er, „ihr macht euch das Leben unnötig schwer. Each Way ist beides in einem.“ Er hatte Recht – zumindest teilweise. Die Each-Way-Wette kombiniert Siegwette und Platzwette in einem einzigen Wettschein und bietet damit ein Sicherheitsnetz, das bei der reinen Siegwette fehlt.
Das Grundprinzip ist simpel: Bei einer Each-Way-Wette platzierst du automatisch zwei separate Wetten – eine auf den Sieg und eine auf die Platzierung. Der Einsatz verdoppelt sich entsprechend. Wenn du 10 Euro „Each Way“ setzt, zahlst du tatsächlich 20 Euro: 10 Euro auf Sieg, 10 Euro auf Platz. Gewinnt dein Pferd, kassierst du beide Wetten. Wird es nur platziert, gewinnst du immerhin die Platzwette.
In Deutschland ist die Each-Way-Wette weniger verbreitet als in Großbritannien oder Irland, wo sie zum Standardrepertoire jedes Wetters gehört. Hierzulande bieten sie vor allem Online-Buchmacher mit britischen Wurzeln an. Der Totalisator an deutschen Rennbahnen kennt das Format in dieser Form meist nicht – dort wählst du separat zwischen Sieg und Platz. Trotzdem lohnt sich das Verständnis der Each-Way-Mechanik, denn die dahinterstehende Logik lässt sich auch auf getrennte Sieg-Platz-Kombinationen übertragen.
Ein Aspekt, der Einsteiger oft verwirrt: Der Platzanteil der Each-Way-Wette wird nicht zur vollen Siegquote ausgezahlt, sondern zu einem Bruchteil davon. Dieser Bruchteil – typischerweise ein Viertel oder ein Fünftel – bestimmt maßgeblich, ob sich die Each-Way-Wette lohnt oder nicht.
Each-Way-Quoten: Platzbruch, Teilauszahlung und Gesamtgewinn
Der Platzbruch ist der Schlüssel zur Each-Way-Berechnung. Bei den meisten Buchmachern gilt: Bei fünf bis sieben Startern beträgt der Platzbruch ein Viertel der Siegquote für zwei Plätze. Ab acht Startern erhöht sich die Platzzahl auf drei, der Bruch bleibt bei einem Viertel oder steigt auf ein Fünftel. Bei sehr großen Feldern mit 16 oder mehr Startern werden manchmal vier Plätze zu einem Viertel gewertet.
Diese Regeln variieren zwischen Anbietern. Manche bieten bei bestimmten Rennen verbesserte Bedingungen an – etwa „Extra Places“ mit einem zusätzlichen Platz oder einen höheren Bruch. Solche Promotionen können den Wert einer Each-Way-Wette erheblich steigern, aber du musst die Bedingungen genau lesen.
Die Berechnung der Gesamtauszahlung funktioniert so: Angenommen, dein Pferd hat eine Siegquote von 10,0 und der Platzbruch beträgt ein Viertel. Die Platzquote ist dann 10,0 geteilt durch 4 plus 1, also 3,5 in Dezimalform. Bei einem 20-Euro-Each-Way-Einsatz (10 Euro Sieg, 10 Euro Platz) sehen die Szenarien so aus: Gewinnt das Pferd, erhältst du 100 Euro aus der Siegwette plus 35 Euro aus der Platzwette, also 135 Euro total bei 20 Euro Einsatz. Wird das Pferd nur Zweiter oder Dritter, erhältst du lediglich die 35 Euro aus der Platzwette – ein Verlust von 15 Euro gegenüber dem Einsatz, aber besser als der Totalverlust bei einer reinen Siegwette.
Das Verhältnis zwischen Siegquote und Platzbruch bestimmt, ob Each Way mathematisch sinnvoll ist. Bei sehr niedrigen Siegquoten unter 3,0 führt der Platzbruch zu Platzquoten, die kaum über dem Einsatz liegen. Bei sehr hohen Quoten über 20,0 ist die Platzquote attraktiv, aber die Wahrscheinlichkeit einer Platzierung sinkt entsprechend. Der Sweetspot liegt erfahrungsgemäß bei Siegquoten zwischen 6,0 und 15,0.
Vollständiges Rechenbeispiel: Sieg, nur Platz und Verlust
Ein Praxisbeispiel mit realistischen Zahlen macht die Mechanik transparent. Du analysierst ein Rennen mit neun Startern und findest ein Pferd mit Siegquote 8,0. Der Anbieter bietet Each Way zu einem Viertel der Quote auf drei Plätze. Du setzt 30 Euro Each Way, also 60 Euro insgesamt.
Szenario eins – das Pferd gewinnt: Die Siegwette zahlt 30 mal 8,0 gleich 240 Euro. Die Platzwette zahlt 30 mal 3,0 (ein Viertel von 8,0 plus 1) gleich 90 Euro. Deine Gesamtauszahlung beträgt 330 Euro. Bei 60 Euro Einsatz ist das ein Nettogewinn von 270 Euro.
Szenario zwei – das Pferd wird Zweiter: Die Siegwette ist verloren, Auszahlung null. Die Platzwette zahlt 30 mal 3,0 gleich 90 Euro. Bei 60 Euro Einsatz ist das ein Nettogewinn von 30 Euro. Ohne Each Way hättest du 60 Euro verloren.
Szenario drei – das Pferd wird Vierter: Beide Wetten sind verloren. Verlust: 60 Euro. Das Ergebnis ist identisch zu einer reinen 60-Euro-Siegwette, die nicht aufgeht. Der Each-Way-Aspekt schützt nur bei Platzierungen innerhalb der gewerteten Plätze.
Jetzt der Vergleich: Hättest du statt 60 Euro Each Way nur 30 Euro auf Sieg gesetzt, wären bei einem Sieg 240 Euro ausgezahlt worden – weniger als die 330 Euro bei Each Way. Hättest du 30 Euro auf Sieg und separat 30 Euro auf Platz gesetzt, wäre das Ergebnis ähnlich, aber du hättest zwei getrennte Wetten verwalten müssen. Each Way bündelt beides bequem in einem Schein.
Feldgröße und Quotenlage: Wann Each Way sinnvoll ist
Die Feldgröße beeinflusst die Each-Way-Entscheidung erheblich. Bei kleinen Feldern mit fünf bis sechs Startern werden nur zwei Plätze gewertet. Dein Pferd muss also mindestens Zweiter werden, um die Platzwette zu gewinnen. Das ist eine härtere Anforderung als bei Feldern mit acht oder mehr Startern, wo drei Plätze zählen.
Meine Faustregel nach elf Jahren: Each Way lohnt sich vor allem bei Feldern mit acht bis zwölf Startern und Quoten zwischen 6,0 und 12,0. In diesem Bereich bietet die Wette ein attraktives Verhältnis aus Siegchance, Platzchance und Quotenniveau. Bei sehr großen Feldern über 15 Starter kann der vierte Platz zwar gewertet werden, aber die Prognose wird zu unsicher.
Ein weiterer Faktor ist die Rennsituation. Each Way eignet sich besonders für Pferde, die konstant gut laufen, aber selten gewinnen. Wenn ein Pferd in seinen letzten fünf Rennen viermal Zweiter oder Dritter wurde, ist das ein klassischer Each-Way-Kandidat. Die Platzwette gleicht die verpassten Siege aus, und irgendwann schlägt auch der Sieg durch.
Weniger geeignet ist Each Way für klare Favoriten mit Quoten unter 3,0. Die Platzquote wäre dann unter 1,75 – praktisch ohne Rendite. Ebenso fragwürdig sind extreme Außenseiter mit Quoten über 25,0: Die Platzquote mag verlockend aussehen, aber wenn das Pferd nicht einmal in die Nähe der Plätze kommt, hast du 100 Prozent statt 50 Prozent verloren.
Ein Aspekt, den ich nicht verschweigen will: Die meisten Online-Buchmacher, die Each Way anbieten, ziehen die fünfprozentige Rennwettsteuer vom Einsatz oder Gewinn ab. Bei einer 60-Euro-Each-Way-Wette bedeutet das 3 Euro weniger im Topf oder bei der Auszahlung. Langfristig summiert sich das – kalkuliere es in deine Renditeerwartung ein.
Häufige Fragen zur Each-Way-Wette
Verdoppelt sich bei Each Way immer der Einsatz?
Ja, bei einer Each-Way-Wette zahlst du immer den doppelten Einsatz, weil du automatisch zwei separate Wetten platzierst – eine auf Sieg und eine auf Platz. Wenn du 10 Euro Each Way setzt, beträgt dein Gesamteinsatz 20 Euro. Manche Anbieter zeigen den Einzeleinsatz an, andere den Gesamteinsatz – achte darauf, um Missverständnisse zu vermeiden.
Bieten alle Pferdewetten-Anbieter Each Way an?
Nein, in Deutschland ist Each Way weniger verbreitet als in Großbritannien. Der Totalisator an deutschen Rennbahnen bietet das Format meist nicht an – dort wettest du separat auf Sieg oder Platz. Online-Buchmacher mit britischen Wurzeln haben Each Way häufig im Programm. Prüfe die Wettoptionen deines Anbieters vor der Anmeldung.
Erstellt von der Redaktion von „Wetten auf Pferde“.
